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aus mot 1975

 

 

Herausforderung für Mercedes

 

In den Dieselmarkt kommt Bewegung. Citroën greift die Mercedes-Vorherrschaft an. Kann der neue CX 2200 Diesel an seinem Gegner gemessen werden?

 

Verdutzte Gesichter gehören wohl noch lange zu den alltäglichen Erlebnissen eines Citroën-Diesel-Fahrers. Denn: Wer, außer autointeressierten Mitmenschen, erinnert sich noch an die Premiere des CX Diesel zur Frankfurter IAA im September 1975?

 

Nicht nur an Tankstellen sorgt der nagelnde CX für immer neue Überraschungen. Mehrfach wurden mot-Tester höflich von der Dieselzapfsäule weg gebeten. Auch an Omnibushaltestellen und auf großen Parkplätzen erregt das – in diesem Auto – ungewohnte Motorgeräusch viel Aufsehen.

 

Wer einen spontanen Einbruch in den speziellen Marktsektor erwartet, verkennt die Möglichkeiten. Mercedes verkauft voraussichtlich 1976 rund 80 000 Dieselpersonenwagen auf dem deutschen Markt. Bei der Deutschen Citroën laufen die Planungen auf rund 3 000 CX Diesel (Limousinen und Kombis) in diesem Jahr. Das wäre immerhin ein Achtungserfolg, zwischen Diesel- und Benzinmodellen bestünde ein Verkaufsverhältnis von eins zu fünf.

 

Technische Feinheiten interessieren im Dieselalltag jedoch nur am Rande; es zählen vor Allem Verbrauch, Motor- und Fahrleistungen und das Geräuschniveau. Im direkten Vergleich steht im Mercedes-Programm der 240 D mit 56 PS (48 kW) bei 4200/min. Der Mercedes-Konkurrent bietet also mehr Hubraum und niedrigere Drehzahl. Der kleinere Bruder, 220 D mit 60 PS (44kW), kann dagegen in den Fahrleistungen mit dem CX Diesel nicht mithalten.

 

In der Höchstgeschwindigkeit liegt der Citroën mit gestoppten 141,2 km/h genau zwischen Mercedes 240 D und 300 D – für einen Diesel  beachtliche Werte, zumal der CX durch die aerodynamisch günstigere Karosserie auch im Bereich zwischen 110 und 130 km/h im vierten Gang noch kräftig zulegt.

 

Auf der Autobahn gehört dieser Citroën keineswegs zu den lahmen Enten, auch nicht mit voller Beladung. An langen Steigungen hält er bei Dauervollgas zwischen 100 und 115 km/h durch. Nur, „Abbremsen müssen“, oder vorsichtiges Gaswegnehmen an ungünstiger Stelle – knapp vor der Steigung, womit der ganze Schwung wegfällt – ruft dem Fahrer ins Bewußtsein, daß vor ihm ein Dieselmotor mit 66 PS seine Arbeit verrichtet.

 

Wenn der Schwung verloren ist, begrenzt die Reichweite des dritten Gangs (bis knapp 100 km/h) das Tempo auf den nächsten Steigungskilometern. Hochschalten in den vierten Gang bringt unter solchen Autobahnbedingungen kein höheres Tempo. Für zügiges Überholen auf Land- und Bundesstraßen ist die Reichweite des dritten Ganges ohnehin arg knapp. Oft fällt der Schaltvorgang gerade dann aus, wenn ein schnell dahin rollender Lastzug immer länger zu werden scheint.

 

Dieselmotor: Eigenentwicklung

 

Im Bereich um 90 km/h zieht jedoch der Citroën Diesel auch im vierten Gang so kräftig los, daß erstens die Reichweite im dritten selten voll genutzt werden muß und zweitens Überholängste in Grenzen bleiben. Spurte verbieten sich bei allen Dieseln.

 

Im Leerlauf und vor Allem nach dem morgendlichen Kaltstart nagelt der Glühzünder kräftig vor sich hin – je nach Gusto und Empfindlichkeit kann dies als noch erträglich oder schon lästig eingestuft werden. Einmal in Fahrt sind die Geräusche im CX bemerkenswert gut gedämpft. Dahinrollen im vierten Gang bei 80 km/h verlangt schon genaueres Hinhören; selbst bei 120 km/h oder bei Dauervollgas erfordert Radiohören noch nicht die maximale Lautstärke.

 

Im Stand nagelt der Citroën eine Spur härter als der Mercedes 240 D (oder gar der 300 D-Fünfzylinder). Im fließenden Verkehr sind die Unterschiede jedoch so gering, daß ein durchschnittlich aufnahmefähiges Ohr keinen Unterschied heraushört. Auch bei voll eingeschalteter Belüftung wird der Geräuschpegel nicht höher. Für einen neu entwickelten Dieselmotor und noch dazu beim kniffligeren Quereinbau stellt dieser angenehme Pegelstand ein beachtliches Qualitätszeugnis aus.

 

Im Stadt- und Kurzstreckenverkehr hält ein fleißig geschalteter Citroën Diesel ohne Weiteres mit. Die besonders gute Motorelastizität erlaubt gemächliches Dahinrollen auch im Kolonnenbetrieb; selbst bei 60 km/h im vierten Gang ruckelt der Motor nicht im Geringsten. Ärgerlich ist dagegen ein Aufschaukeln über das Gaspedal: beim kurzen Gaswegnehmen und anschließendem Gasgeben kommt es zu einer Art Rückstoßbewegung – eine Unart, die vom Mercedes längst nicht mehr gemeldet wird.

 

Laufkultur auf Mercedes-Niveau

 

Im Stadtverkehr macht die Servolenkung den Citroën zu einem handlichen Wagen. Nominell gibt es ihn aber auch mit der sehr indirekten Normallenkung. Mit der Servolenkung für saftige 990 DM Aufpreis (beim Mercedes kostet sie nur 643,80 DM) läßt sich der CX mit einer Hand rangieren. Allerdings wirkt die Lenkung mit nur 2,6 Umdrehungen schon sehr direkt; sie erfordert beim Umsteigen aus anderen Wagen längere Gewöhnungszeit. Es besteht die Gefahr des „Überreißens“. Die Citroën-Techniker beharren auf ihre sehr eigenwilligen Lösung; sie ist nicht mehr so nervös wie früher beim SM. Aber damit schleicht sich die Gefahr unnötig heftiger Lenkradbewegungen ein.

 

Ohne Konkurrenz steht wohl noch etliche Jahre die Citroën-Hydropneumatik, gerade in der oberen Mittelklasse, als ein Pluspunkt da, der allein den Kauf rechtfertigen kann. Die konstante und einstellbare Bodenfreiheit macht das Auto bei Bedarf zum geländetüchtigen Familienwagen, der auch geknickte Garageneinfahrten oder Zufahrten zu Baustellen, Berghütten etc. bewältigt.

 

Das CX-Gepäckraumvolumen von 520 Liter kann deshalb ohne Bedenken genützt werden. Der CX geht auch bei einer Zweizentnerlast nicht in die Knie, während ein Mercedes (ohne Niveauregulierung, die Aufpreise kostet) schon arg hecklastig wird. Die unbeirrt sichere Straßenlage nützt der Dieselmotor nur teilweise aus; fünf Personen und Gepäck verschlechtern beim CX nur die Fahrleistungen, nicht den Geradeauslauf oder die minimale Neigung zum Überschieben der eingeschlagenen Vorderräder in engen rutschigen Kurven.

 

Der Diesel wäre ein guter Gespann-Zugwagen, doch setzt das Werk hier mit gebremsten 900 kg Anhängerlast (mit Sondergenehmigung bis 1300 kg) enge Grenzen – sinnvoll nur mit Blick auf den Motor, unnötig mit Blick auf die Hydropneumatik.

 

Im Verkehrsfluß keineswegs lahm

 

Auch nach etlichen Baujahren wird der Citroën CX nicht zu jenen Autor gehören, die umsteiger-freundlich angelegt sind. Fast alle Eigenwilligkeiten des Benzinmodells tauchen wieder auf: vom schlecht ablesbaren Lupentacho (nachts ein ärgerlicher Blender) über die stark pendelnde Tankanzeige bis zu der nur für Fahrer sichtbaren Uhr. Dagegen bereiten die sechs Bedienungstasten beiderseits der Instrumentengruppe keine Probleme: auch die Taste für die Blinker liegt so gut in Fingerreichweite, daß die fehlende Rückstellung nach längerem CX-Umgang nicht mehr negativ auffällt. Schiebedach fehlt im Citroën-Angebot, dafür sorgen elektrische Fensterheber vorn (beim Super) für rasche Entlüftung. Lob verdient die serienmäßige Höhenverstellung des Fahrersitzes und die einwandfreie Mittelschaltung.

 

Zu den Besonderheiten gehört eine pneumatische Kontrolle des Motorölstandes mit Knopfdruck und Schauglas. Beim Testwagen mußte häufig gedrückt werden; mit 1,6 Liter Ölverbrauch auf 1000 km enttäuschte der Citroën im für die Betriebskosten wichtigen Kostenpunkt. Beim Kraftstoffverbrauch kam jedoch Alles wieder ins Lot: durchschnittlich 9,8 Liter auf 100 km liegen auf dem Niveau des Mercedes 200 D und damit beachtliche 1,5 Liter unter dem 240 D, dem direkten Konkurrenten.

 

Hydropneumatik konkurrenzlos

 

Mit einem Mindestverbrauch von etwa 2,5 Liter beim Vergleich CX 2200 D (mit 66PS) gegenüber dem CX-Benziner (mit 102 PS) lohnt sich der Diesel bei jährlich mindestens 25 000 km. Dann besteht auch die Chance, über viele Tankquittungen den Mehrpreis (beim CX Super immerhin 850 DM) wieder hereinzuholen. Fahrer, die Kilometer machen müssen, überzeugt der CX durch die große Reichweite mit einer Tankfüllung: mindestens 550 km, bei ruhiger Fahrt bis 680 km.

 

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt der Wiederverkauf. Alle Einzelheiten zur Rentabilität des Diesels bei den heutigen Kraftstoffpreisen – auch im Vergleich zu Mercedes, Peugeot und Opel – stehen in der großen Diesel-Titelgeschichte im nächsten Heft.

 

Gesamturteil

 

Dieselmotor und Citroën CX passen überraschend gut zusammen. Technisch ist er eine Herausforderung an Mercedes.